(Unser Hof, Bild von Merle im Sommer`17)                                                                                  

 

Pferdehaltung ist immer ein Kompromiss.

Wir können unseren Pferden keine absolute Freiheit bieten.

Wir müssen dafür sorgen, dass sie innerhalb der Zäune, die wir ziehen, mit dem Futter, das wir ihnen geben, gesund und  zufrieden lange leben können.

 

Gesunde und artgerechte Pferdehaltung

 

 

bedeutet aus meiner Sicht:

 

 

Das Pferd in seiner Herde an den Temperaturen, der Sonne, dem Regen teilhaben zu lassen.

 

Manche Pferde müssen im Winter oder bei Regen eine Decke tragen, da rasse- oder altersbedingt ihre Abwehrkräfte und ihr Fell nicht genügend Schutz bieten. Das ist aber kein Grund, ein Pferd zu separieren und vom Herdenleben auszuschließen.

 

 

Das Pferd dazu zu bringen, sich zu bewegen, und es in gesundem Maße zu füttern.

 

Sehen wir uns in den Offenställen in Deutschland um: Kaum ein Pferd ist zu dünn – die meisten sind wohlstandsgesellschaftsdick. Hufrehe, equines metabolisches Syndrom, Haut- und Fellprobleme nehmen zu. All diese Erkrankungen hängen mit der Überlastung von Dickdarm und Leber zusammen. Pferde portionsweise zu füttern ist aufwendig – sie schlank und aktiv zu halten aber ist in meinen Augen gelebter Tierschutz.

 

 

Dem Pferd Möglichkeiten zum Rückzug, zum Unterstehen, zum Ruhen zu bieten.

 

Nicht jeder Mensch ist ein Partylöwe – nicht jedes Pferd genießt es, immer mitten in der Herde zu stehen. Rangniedrige, kranke oder alte Pferde werden mitunter direkt gemobbt. Diese Pferde müssen durch verwinkelten Paddockbau die Chance bekommen, sich zurückzuziehen. Für sie müssen separate Futterstellen geschaffen werden. Und mitunter müssen sie zeitweise von der Herde getrennt werden, um Ruhe zu finden und Kraft zu schöpfen. Aber auch hier gilt: Das ist kein Grund, ein Pferd dauerhaft alleine zu halten.

 

 

Eine Pferdeherde möglichst homogen zu gestalten.

 

Es ist idyllisches Bild, wenn Araber neben Kaltblütern, Senioren neben Jungpferden grasen. Und das Bild trügt meist. Denn bei zu heterogen gestalteten Herden kommen immer einige Pferde zu kurz. Wird das Futter auf die alten, schlecht verwertenden Pferde abgestimmt, erkranken die Ponys an Hufrehe. Ist die Herde aktiv, mit vielen spielenden Jungwallachen, sind alte Stuten ständig auf der Flucht. "Homogen" bedeutet nicht, nur noch ein Geschlecht im exakt selben Alter zusammen zu halten – aber es bedeutet, nicht um der Stallmiete willen jedes Pferd aufzunehmen, das in der Bestandsherde nicht glücklich würde.

 

 

Pferde zu lieben.

 

Pferdehaltung, auch Pensionspferdehaltung, kann nur pferdegerecht gestaltet werden, wenn der Stallbesitzer Pferde liebt. Und daran besteht hier kein Zweifel.

 

 

Zitat aus https://www.feine-reiterei.de/offenstall